Die Anklage einer schwachen Person

An einem Tisch uns gegenüber sitzend, wirfst du mir vor ich sei ein schlechter Mensch. In einem Redeschwall, einem Wasserfall, findest du dafür viele Formulierungen. Sollten sie wohl in ihrer Gesamtheit meine Schlechtheit in ihrer Vielseitigkeit ausdrücken, scheint mir das alles doch nur ein und das selbe zu sein. Mehr noch drückt deine Überschwemmung an Worten doch nur die Falsch- und Un-Wahrheit, alle Un-Klarheit deine Beschuldigungen aus. Ich höre dir recht interessiert zu, nicht weil deine Vorwürfe berechtigt sind, ich vorhätte mich zu ändern, auch nicht um später die Chance zu ergreifen dich eventuell zu widerlegen, mich gar auf ein geistiges Duell einzulassen, auch nicht um mich wenigstens zu rechtfertigen, mich raus zureden, nein, das war alles überhaupt nicht in meinem Sinne; Es war nur so interessant dein Reden zu beobachten, weil du so übertrieben, fast fanatisch und besessen wirkst. Ich frage mich ob, du weißt wovon du sprichst, ob du den Grund deiner Anklage kennst, ob überhaupt einer vorhanden ist. Du sprichst so viel, als hätten wenig Worte wenig Sinn, als brüchtest du mehre massige um in den viel-zu-vielen nach einem Sinn zu suchen, der in den wenigen noch nicht gegeben ist. Vielleicht redest du so viel um dem eigentlich Un-Sinn einen Sehr-Wohl-Sinn zu verleihen, einen der dir bislang noch selbst unklar ist, doch der ja irgendwo vorhanden sein musste, und wäre er das nicht, dann musste er noch geschaffen und geformt werden. Da dir das offensichtlich noch nicht gelungen war, konzentrierst du dich ausschließlich auf Zweites, ein unmethodisches Formen. Und das ist es, womit du dich schon seit vielen Minuten beschäftigst. Natürlich ist dir das nicht bewusst, genauso wenig wie dass du dich von deinem eigentlichen Ziel - mich überzeugend und treffend zu beleidigen, mich dadurch ernsthaft zu kränken – durch dein suchendes Sprechen nur immer weiter entfernt hast und du auch gar nicht fähig bist dich dem Ziel auch nur ein kleines Stück weit wieder anzunähern. Im Gegenteil, du konntest dich nur noch weiter entfernen und dich verlieren – und wenn ich dich so anschau‘ – du warst schon verloren.

Gleich einer blinden Sehnsucht scheint’s mir, wie du die Schuld in mir suchst, oder auch überhaupt nur irgend etwas an mir, was negativ auszulegen möglich wäre und worein sich sicherlich auf irgendeine Weise eine Schuld irgendeiner Art hinein interpretieren ließe. Dein anfängliches Hoffen gewichtige Vorwürfe durch vieles Vorwerfen zu entdecken, wurde mit jedem weiteren Wort immer unsinniger, so dass es nun nur noch ein fernes Ersehnen war. Du verliefst dich völlig, und dass du nicht wusstest wohin du mit all deinen Vorwürfen gehen solltest um endlich Festland zu finden, machte dich so rasend, dass du noch überzeugter und voller Wut in diesem Irrweg folgtest, bis du im Triebsand schlechter Rhetorik untergingst. Doch deinem Scheitern ganz unbewusst, setzt du von neuem an, von alter Sehnsucht und Fanatismus getrieben endlich fündig zu werden, giert deine Sprache jetzt nach neuem Ausdruck, findet ihren Höhepunkt in Brüllen und Spucken, verzerrtem Gesichtsausdruck und grotesker Gestik.

Ausdruckslos hingegen sitze ich an meinem Stuhl, kritisch deinem Geschehen folgend, wie du da ausbrichst und krankhaftes Schauspiel betriebst. Wie lange du diesen dramatisch inszenierten Irren-Monolog wohl fortsetzen könntest? Keine Frage, ich könnte noch lange dein Reden beurteilen, ohne dir wirklich zuzuhören, deinen einzelnen Aussagen brauchte ich keine sonderliche Beachtung zu schenken um mir ein Bild von dir zu machen. Wie dich mein Schweigen provoziert, wie dein Reden misslingt, wie du die Fassung verlierst, deine blinde Wut dich treibt und wie du mich zum Objekt deines Hasses machst, - das war aufschlussreich genug. Du gabst mir genügend Farben, mit denen ich ein sehr exaktes Bild von dir zeichnen konnte. Ich meinte dieses Bild bereits zur Perfektion gebracht zu haben, so entschloss ich dir aus deiner Ausweglosigkeit – die dir sicherlich völlig unbewusst war - zu retten. Andeutend setzte ich mich aufrecht, dir meine unmittelbar bevorstehende Unterbrechung signalisierend legte ich auch meine Arme auf den Tisch, befreite dich von deinen Qualen und unterbrach dich endlich.

24.07.08

25.7.08 16:35

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